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Aus dem Leben · 4 Min Lesezeit

Ich, der KI-Berater, bin jetzt auch Handwerker.

· von Kevin Stumpf

Bambu Lab P1S 3D-Drucker mit AMS und frisch gedrucktem Poop-Chute (Auffang-Behälter mit Kackhaufen-Emoji) und Tablet-Halter

Letzte Woche stand ein Karton vor meiner Tür. Bambu Lab P1S — ein 3D-Drucker, der so groß ist, dass meine Frau gefragt hat, ob da ein neues Familienmitglied einzieht. „Quasi", war meine Antwort. Sie hat die Augen verdreht. Zu Recht.

Ich verkaufe Handwerkern KI. Das ist mein Job, das macht Spaß, das funktioniert. Was ich aber bisher nicht war: einer von ihnen. Ich hab in meinem Leben noch nie einen Schrank zusammengebaut, ohne mindestens drei Schrauben übrig zu haben. Mein Werkzeugkasten besteht aus einem Hammer (geerbt), einem Schraubenzieher (von IKEA) und einer Wasserwaage, von der ich nicht mehr genau weiß, wo sie ist.

Und dann kam der Drucker.

Tag 1: Ich drucke einen Behälter — für meinen Drucker

Mein erstes Projekt — und ich schwöre, das ist die Wahrheit — war ein Auffang-Behälter für den Drucker selbst. Sogenannter „Poop-Chute" oder, wie's in der Szene liebevoll heißt: Filament-Kacka-Eimer.

Hintergrund für die Nicht-Drucker-Versteher: Wenn ein 3D-Drucker mit mehreren Farben druckt, muss er beim Farbwechsel das alte Filament aus der Düse pressen, bevor das neue durchkommt. Was dabei rauskommt, sind kleine Plastik-Würstchen. Die Community nennt sie Poops. Und damit die nicht überall in der Werkstatt landen, druckt man sich einen Behälter dafür. Ein Behälter mit, Trommelwirbel, einem Kackhaufen-Emoji als Logo-Relief. Druckerhumor.

Mein erstes selbstgedrucktes Werk war also nichts, was meinen Alltag erleichtert. Es war Zubehör für den Drucker. Ich hab quasi für meinen Drucker etwas gedruckt, damit der Drucker beim Drucken weniger Mist macht. Ein perfekter handwerklicher Kreis.

Druckdauer: 14 Stunden.

Ja, du hast richtig gelesen. Vierzehn Stunden. Mein Drucker hat länger an diesem Ding gearbeitet, als ich an manchen Kundenprojekten. Und während er das tat, saß ich daneben wie eine besorgte Mutter im Kreißsaal und schaute zu, wie sich Schicht für Schicht (0,2 mm pro Schicht — ich weiß sowas jetzt) ein Stück Plastik formte, dessen einzige Funktion es ist, anderem Plastik beim Sterben zuzusehen.

Aber das war's nicht. Der Punkt war nicht, dass ich einen Müll-Behälter brauchte. Der Punkt war: ich hatte etwas gemacht. Mit meinen eigenen Händen. (Naja — mit den Händen einer Maschine, die ich angeschaltet hatte. Aber so ähnlich.)

Der frisch gedruckte Poop-Chute mit Kackhaufen-Emoji-Relief, daneben ein orange-weißer Tablet-Halter auf der Bauplatte
Mein Erstlingswerk — links der Poop-Chute (das Kackhaufen-Emoji ist Programm: er fängt den Filament-Ausschuss beim Farbwechsel auf). Rechts ein Tablet-Halter, den ich gleich hinterher gedruckt habe, weil — naja, weil ich konnte.

Tag 3: Ich verstehe, warum Handwerker Handwerker sind

Nach drei Tagen mit dem Drucker hatte ich:

  • Drei verschiedene Filament-Sorten gekauft, weil man braucht das ja
  • Einen Tablet-Halter gedruckt, den ich nicht brauche, weil ich kein Tablet habe
  • Mit einer Schublade aus dem Bambu-Forum gestritten, ob 215°C oder 220°C besser für PLA Matte sind
  • Meinem Bruder ein Foto vom Druckbett geschickt mit der Bildunterschrift „Schaut, was ich gemacht hab"
  • Realisiert, dass es mindestens fünf Telegram-Gruppen nur für 3D-Druck-Filament gibt

Und genau in dem Moment hat's bei mir Klick gemacht.

Das ist Handwerk. Die Liebe zum Detail. Die ungesunde Beschäftigung mit Materialeigenschaften. Das Stolzgefühl, wenn etwas funktioniert. Und das Gegenteil davon, wenn die erste Schicht nicht hält und du deine Lebensentscheidungen überdenkst.

Ich hab mit Handwerkern jahrelang über Anfragen, Rechnungen, Bürokram, Lokalsuche gesprochen. Ich kannte die Probleme — auf einer abstrakten Ebene. „Du verlierst Aufträge, weil du abends nicht ans Telefon gehst." Verstand ich. Mitgefühl: ja. Echtes Verstehen: meh.

Aber jetzt sitze ich hier und überlege, ob ich um halb elf nochmal einen Druck starten soll, weil der morgen früh fertig wäre, und ich denke: Aha, so fühlt sich das an, wenn man etwas baut, das man nicht delegieren kann.

Tag 7: Mein Tischler-Kumpel ruft an

Hans, mein Kumpel Tischler aus Düren (echter Tischler, nicht so wie ich), ruft an:

„Ey Kevin, ich hab gehört, du hast jetzt einen Drucker. Was druckst du?"

„Einen Auffang-Behälter."

Pause.

„Einen … was?"

„Auffang-Behälter. Für den Drucker. Damit der Plastik-Müll, den der Drucker beim Farbwechsel rauspresst, nicht überall in der Werkstatt landet."

Längere Pause.

„Du hast 14 Stunden lang einen Mülleimer für deinen Drucker gedruckt?"

„Mit Kackhaufen-Emoji."

Die Stille am anderen Ende war richtungsweisend. Hans hat dann noch zehn Minuten gelacht und mir erklärt, dass er bei Bauhaus einen Mülleimer für 2,99 € kaufen kann, ohne dass jemand 14 Stunden darauf warten muss.

Ich hab ihm zurückgemailt: „Hans, der Bauhaus-Mülleimer hat kein Kackhaufen-Emoji. Schachmatt."

Er antwortete nicht.

Was das mit meinem Job zu tun hat

Du fragst dich vielleicht: Schön, Kevin, dass du jetzt einen Drucker hast — aber warum erzählst du mir das auf einem Blog für KI-Beratung?

Berechtigt. Hier ist die Antwort:

Ich hab die letzten Jahre Lösungen für Handwerker gebaut, ohne zu wissen, wie sich Handwerk wirklich anfühlt. Klar — das war kein totales Blindflug-Ding. Ich hab mit Dachdeckern, Tischlern, Sanitär-Leuten gesprochen. Ich hab in Werkstätten gestanden. Aber ich war immer der Typ von außerhalb. Der mit dem Laptop. Der, der die Slides macht.

Jetzt habe ich (ein bisschen) das Gefühl, das alle Handwerker kennen:

  • Material kostet Geld. Eine Rolle PLA Matte: 25 €. Davon brauchst du dann mehrere Farben. Ich verstehe jetzt, warum mein Sanitär-Kumpel bei jeder Materialliste Bauchschmerzen kriegt.
  • Werkzeug ist ein Hobby für sich. Mein Drucker hat schon Upgrades. Ich besitze eine spezielle Bauplatte für Texturen. Ich weiß jetzt, was ein „Hotend" ist und welcher Düsendurchmesser für was gut ist. Ich verstehe Tischler, die zehn verschiedene Hobel haben.
  • Wenn etwas schief geht, ist es deine Schuld. Erste Schicht hält nicht? Dein Bett ist nicht sauber. Druckkopf verstopft? Du hast die falsche Temperatur. Niemand sonst schuld. Das ist keine Software, die du neu starten kannst — das ist ein Ding, das vor dir steht und nicht funktioniert, und du musst das fixen.

Diese drei Punkte? Genau die hab ich tausendmal von Handwerkern gehört. Nur eben über Wasserrohre, Holzplatten, Dachziegel.

Mache ich jetzt 3D-Druck-Beratung?

Nein. Mach ich nicht. Ich bin definitiv kein 3D-Druck-Profi und werde das auch in absehbarer Zeit nicht. Mein Auffang-Behälter ist schief, und das Tablet-Halter-Ding hatte beim ersten Versuch Stützstrukturen, die ich mit einem Küchenmesser entfernt habe. Es war nicht professionell.

Aber ich werde:

  1. Besser zuhören, wenn ein Tischler mir erklärt, warum ein bestimmter Hobel das Ding ist. Ich versteh das jetzt anders.
  2. Seltener „nur einfach machen" sagen. Wenn ich für einen Plastik-Behälter mit Kackhaufen-Emoji 14 Stunden gebraucht habe, dann ist „mach mal ein neues Logo" auch keine 5-Minuten-Sache.
  3. Mehr Respekt haben, wenn ein Handwerker am Donnerstag um 19 Uhr noch in der Werkstatt steht. Ich saß auch schon um 23 Uhr neben dem Drucker. Aus Liebe zum Poop-Chute.

Mein Punkt: Wer für Handwerker baut, sollte wenigstens einmal selber etwas „Handwerkliches" gemacht haben. Egal was. Ein Bilderrahmen aus Holz, ein Gartenbeet, ein dämlicher Auffang-Behälter mit Kackhaufen-Emoji. Du verstehst die Welt anders, sobald du kurz drinsteckst. Und das macht den Unterschied zwischen „Software für Handwerker" und „Software, die für Handwerker funktioniert".

Was als Nächstes auf dem Druckbett steht

Mein Plan für die nächsten Wochen:

  • Ein Telefon-Halter für die Werkbank meines Vaters (er weiß noch nichts davon)
  • Ein Logo-Schild für mein Büro (deutlich kürzere Druckdauer als der Auffang-Behälter, hoffe ich)
  • Vielleicht — vielleicht! — ein Ersatzteil für eine kaputte Schublade, statt sie wegzuschmeißen

Wenn was Brauchbares dabei rauskommt, lade ich Bilder hoch. Wenn nicht, schweige ich und tue so, als wäre nichts gewesen.

Und wenn du Lust hast, mal über KI für deinen Betrieb zu reden — und vielleicht zu hören, wie sich das aus der Perspektive eines Poop-Chute-Druckers anfühlt — meld dich gerne. Ich versprech: keine Slides, kein Buzzword-Bingo, kein „Ich verstehe Sie als Handwerker" ohne dass ich's auch wirklich tue.

P.S. Falls du selber einen 3D-Drucker hast und Tipps für mich, schreib mir. Ich nehme jeden Rat. Besonders dazu, wie ich Stützstrukturen sauber entferne, ohne mein halbes Druckwerk gleich mit zu zerstören. Mein Küchenmesser ist sichtlich überfordert.

Klingt gut? Dann red mit mir.

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